{"id":514,"date":"2019-02-15T14:23:44","date_gmt":"2019-02-15T13:23:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.julia-andorfer.at\/?p=514"},"modified":"2019-02-15T15:39:11","modified_gmt":"2019-02-15T14:39:11","slug":"freunde-teil-fuenf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/?p=514","title":{"rendered":"Freunde, Teil f\u00fcnf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kolleginnen in der B\u00fccherei r\u00fcckten wieder mehr ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Immerhin sah sie sie dreimal in der Woche den ganzen Tag, auch wenn nicht viel Zeit f\u00fcr private Gespr\u00e4che blieb. Warum sollten das keine Freundinnen werden?<br>Ein wenig st\u00f6rte sie, wie ihr Malen betrachtet wurde, n\u00e4mlich als reine Freizeitbesch\u00e4ftigung. Nat\u00fcrlich hatte sie noch nichts ausgestellt oder verkauft, und die Kolleginnen hatten die wenigen bisher gemalten Bilder nie gesehen. Aber sie w\u00fcnschte sich, angenommen und gesehen zu werden als die, die sie war, und da geh\u00f6rte die k\u00fcnstlerische Seite dazu.<br>Sie erz\u00e4hlte Sandra von dem neuen Bild, das sie begonnen hatte.<br>\u201eEs ist schwer zu beschreiben. Am besten siehst du es dir an, wenn es fertig ist\u201c, sagte sie.<br>Sandra hob den Kopf zu einem langsamen Nicken.<br>\u201eWenn es gelingt, h\u00e4nge ich es ins Wohnzimmer\u201c, sagte Laura.<br>\u201eWisst ihr schon, wo ihr im Sommer hinfahrt?\u201c, fragte Sandra.<br>\u201eSardinien\u201c, sagte Laura knapp.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bild gelang, und das Malen machte Laura gro\u00dfe Freude. Es war ein wenig gr\u00f6\u00dfer als die, die sie bis jetzt aufgeh\u00e4ngt hatte, und es passte genau an die freie Wand im Wohnzimmer. Sie beschloss, Tobias damit zu \u00fcberraschen, wenn er von der Arbeit kam. Zun\u00e4chst war es ein schwieriges Unterfangen, das Bild gerade aufzuh\u00e4ngen. Der linke Nagel musste ein wenig weiter nach unten, aber noch im Bereich des eben eingeschlagenen Lochs, das ging also nicht. Also musste das Bild ein wenig h\u00f6her, als sie es vorgehabt hatte, um die L\u00f6cher zu \u00fcberdecken. Endlich hing es.<br>\u201eIch zeige dir was\u201c, sagte sie schon an der T\u00fcr zu Tobias, w\u00e4hrend er Schuhe und Jacke auszog, und f\u00fchrte ihn ins Wohnzimmer.<br>\u201eAh\u201c, sagte er und betrachtete das Bild an seinem Platz. \u201eDa bekommt unser Wohnzimmer ja Farbe.\u201c<br>\u201eIch habe heute mit Markus \u00fcber den Sommerurlaub geredet\u201c, sagte er weiter. \u201eEr und Stefanie w\u00fcrden gern mit uns mitfahren. Das w\u00e4ren nur die beiden, ohne Paul und Sofia.\u201c<br>\u201eAber Stefanie hat sich das auch einreden lassen mit dem angeblichen Plagiat. Das hei\u00dft, sie vertraut mir nicht. Sie ist keine Freundin von mir.\u201c<br>Tobias seufzte. \u201eKannst du diese Angelegenheit nicht einfach vom Tisch wischen? Es ist doch egal, was Stefanie denkt.\u201c<br>\u201eWenn sie mitf\u00e4hrt, ist es nicht egal. Es ist auch nicht egal, wenn ich mit ihr an einem Tisch sitze.\u201c<br>Laura griff nach seinem Arm und nahm seine Hand in ihre.<br>\u201eK\u00f6nnen wir nicht unsere Zweisamkeit auskosten?\u201c<br>Er schaute ziemlich entt\u00e4uscht drein.<br>\u201eDas m\u00fcssen wir wohl\u201c, murmelte er und ging in die K\u00fcche, wo er anfing, Lebensmittel aus dem K\u00fchlschrank zu r\u00e4umen. Den restlichen Abend redeten sie nicht mehr davon.<br>Laura aber wusste, dass sie all das Daniel erz\u00e4hlen w\u00fcrde, und das versetzte sie in eine zufriedene Stimmung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laura\nkonnte Daniel davon \u00fcberzeugen, dass er jede Freiheit hatte, eine\ngute Freundin allein zu treffen. An einem Wochenende fuhren sie beide\nnach Salzburg, um sich auf halbem Weg entgegenzukommen. Sie begr\u00fc\u00dften\nsich herzlich mit einer Umarmung und Wangenk\u00fcssen, spazierten auf\ndie Festung wie Touristen und setzten sich dann in den Gastgarten\neines Caf\u00e9s. Der Tag verging viel zu schnell, was vor allem daran\nlag, dass sie einander viel zu sagen hatten. Auch ihre\nPartnerbeziehungen waren Gegenstand ihrer Gespr\u00e4che, die sie in\nAnwesenheit von Nina und Tobias so nicht h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen. Sie\ngingen auseinander mit der Versicherung, einen solchen Tag zu\nwiederholen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch fahre nach M\u00fcnchen, zum Botanischen Garten\u201c, sagte Laura eines Tages. Sie hatte in einem Telefonat mit Daniel erfahren, dass er zu einem Seminar fuhr. Er erw\u00e4hnte den Stadtteil, wo es stattfand. Sonst sagte er nichts dazu, und sie sagte nichts von ihrem Vorhaben, ebenfalls dorthin zu fahren.<br>Als sie vor besonders sch\u00f6nen Blumen den Skizzenblock auspackte und zu zeichnen begann, f\u00fchlte sie so etwas wie Vorfreude, als w\u00e4re das Skizzieren nur ein \u00dcberbr\u00fccken der Wartezeit bis zum Treffen mit Daniel. Sie f\u00fchlte sich verbunden durch das blo\u00dfe Wissen, mit ihm in derselben Stadt zu sein. Um die Mittagszeit packte sie ihr Brot aus und setzte sich auf eine Bank im Schatten. Es war ein wundersch\u00f6ner, fast wolkenloser Tag, ein Freitag, wodurch im Garten auch nicht so viele Leute waren.<br>Sie blieb noch eine Weile, schlenderte auf den Kieswegen an Blumen und Str\u00e4uchern vorbei und besuchte auch die Gew\u00e4chsh\u00e4user, die eine F\u00fclle an Pflanzen boten.<br>Um halb f\u00fcnf Uhr nahm sie die U-Bahn zum Stadtteil von Daniels Seminar. Sie konzentrierte sich ganz auf ihn und lie\u00df sich von ihrem Gef\u00fchl durch die Stra\u00dfen leiten. Ein gro\u00dfes Auto hielt vor einem Zebrastreifen, den sie gerade \u00fcberquerte. Sie stellte sich vor, dass Daniel darin sa\u00df mit Kollegen vom Seminar und sie nicht bemerkte. Oder er bemerkte sie und konnte nicht einfach um einen Halt bitten. Vielleicht war er jetzt verwundert \u00fcber die Begegnung mit ihr.<br>Etwa eine Stunde lang wanderte Laura in dem Stadtteil umher, sah Autos und fremde Gesichter, ehe sie wieder zum Bahnhof musste. Sie war nicht entt\u00e4uscht. Sie war etwas sehns\u00fcchtig gewesen, Daniel zu treffen, wobei die Sehnsucht \u00fcberdeckt wurde von ihren Vorstellungen, was sie sagen w\u00fcrden. Sie tauchte ganz ein in ihre Fantasie, und die Zugfahrt verging wie im Flug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">11<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tobias bereitete eine Einladung vor, die letzte vor dem Sommer, wie er versprach. Laura wusste, sie w\u00fcrde anwesend sein, sofern sie nicht zwei bis drei Stunden in der Stadt verbringen wollte, in einem Caf\u00e9 oder auf der Stra\u00dfe.<br>Daniel schickte ihr per E-Mail ein sch\u00f6nes Foto, das er auf einer Wanderung gemacht hatte, und Laura \u00fcberfiel wieder einmal der Wunsch, mit ihm solche Unternehmungen zu machen. Hie\u00df das, sie wollte weg von Tobias? Sie mochte ihn, wenn er so werkte in der K\u00fcche, in Kochb\u00fcchern st\u00f6berte oder selbst Gerichte kreierte. Nur seine Freunde waren nicht ihre, und das war ein Problem, f\u00fcr das sie keine L\u00f6sung wusste.<br>Sie telefonierte mit Daniel. Er sagte, Nina sei nicht erfreut dar\u00fcber, dass sie beide vorh\u00e4tten, sich \u00f6fter allein zu treffen. Er habe ihr versichert, dass da nichts \u00fcber Freundschaft hinausgehe, und sich gleichzeitig gefragt, warum er denn beteuere, was man in einem selbstverst\u00e4ndlichen Satz sagen konnte. Jedenfalls sei es im Moment schwierig.<br>Dann fragte sie nach dem \u201eBild seines Lebens\u201c, und er sagte, es schreite voran, sei aber noch lange nicht fertig. Und etwas sei vielleicht \u00fcberraschend f\u00fcr sie, aber das komme zum Schluss.<br>Dann waren die \u00fcblichen zwei Paare da, es wurde Wein getrunken, gegessen und geredet, es war langweilig, und Sofia schaute an Laura vorbei. Schlie\u00dflich hatte Laura genug von all dem und ging ins Schlafzimmer. Aber statt zu malen, rief sie Daniel an, der nicht abhob. Es war ein Samstag, und vielleicht war er nicht zuhause.<br>Sie nahm einen Pinsel in die Hand, w\u00e4hlte eine Farbe aus und trug sie auf einem neuen Bild auf. Es w\u00fcrde abstrakter werden, aber die Formen von Papageienv\u00f6geln sollte man noch erkennen. Davon, Text auf das Bild zu schreiben, hatte sie erst einmal genug. Das Handy l\u00e4utete, und Daniel meldete sich aus einer deutlich h\u00f6rbaren Menschenmenge heraus. Er musste immer wieder nachfragen, um Laura zu verstehen. Dann ging er aus dem Lokal hinaus ins Freie, wo er ungest\u00f6rt telefonieren konnte.<br>\u201eIch bin in meinem Zimmer, und die anderen sind drau\u00dfen\u201c, sagte Laura. \u201eIch bleibe jetzt hier drinnen, bis sie gehen. Ich sage einfach, eine unerwartete Schaffenskraft hat mich \u00fcberkommen.\u201c<br>\u201eAh ja\u201c, sagte Daniel, und es klang fast liebevoll.<br>Jetzt klopfte jemand an die T\u00fcr. Tobias \u00f6ffnete und fand Laura an der Staffelei sitzend.<br>\u201eKommst du nicht zu uns?\u201c, fragte er.<br>\u201eIch male lieber\u201c, sagte Laura. \u201eEs ist ohnehin schon nach zehn. L\u00e4nger als eine Stunde werden sie wohl nicht mehr bleiben. Und ich gehe ihnen nicht ab.\u201c<br>\u201eDu gehst aber mir ab\u201c, sagte Tobias.<br>\u201eDaf\u00fcr haben wir den Alltag. Und Sardinien.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-514","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte"],"views":2602,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/514","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=514"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/514\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":538,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/514\/revisions\/538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=514"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}