{"id":518,"date":"2019-02-15T14:40:29","date_gmt":"2019-02-15T13:40:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.julia-andorfer.at\/?p=518"},"modified":"2019-02-15T15:36:55","modified_gmt":"2019-02-15T14:36:55","slug":"freunde-teil-drei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/?p=518","title":{"rendered":"Freunde, Teil drei"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie machten einen Spaziergang am nahen See. Man merkte, dass die Sonne schon kr\u00e4ftiger war als noch im Dezember oder J\u00e4nner, und erste Knospen waren zu sehen.<br>\u201eIch habe Markus von Sardinien erz\u00e4hlt\u201c, sagte Tobias. \u201eEr meinte, sie h\u00e4tten noch keine Pl\u00e4ne f\u00fcr den Sommer. Ich hatte den Gedanken, sie zu fragen, ob sie mit uns fahren wollen. Wenn dir das recht ist.\u201c<br>Laura schwieg einen Moment, obwohl alles in ihr \u201enein\u201c sagte.<br>\u201eEs ist mir nicht recht\u201c, sagte sie dann. \u201eIch m\u00f6chte im Urlaub mit dir zu zweit sein.\u201c<br>\u201eAber wir k\u00f6nnen uns zwischendurch Zeit f\u00fcr uns beide nehmen. Wir m\u00fcssen nicht alles gemeinsam machen.\u201c<br>\u201eAber das meiste machen wir dann wohl gemeinsam\u201c, sagte Laura. \u201eFr\u00fchst\u00fccken, Ausfl\u00fcge, Abendessen. Oder nicht?\u201c<br>\u201eOder magst du die beiden nicht?\u201c<br>Laura kannte Markus und Stefanie nicht gut genug. Zu viert lernte man einander kaum kennen. Was sie nicht mochte, war die Oberfl\u00e4chlichkeit ihrer Treffen, oder auch, dass sie abseits stand und sich nicht einbringen konnte. Sie wollte eine aktive Rolle spielen. Bei Treffen zu viert konnte sie das nicht.<br>\u201eIch kenne sie ja kaum\u201c, sagte Laura.<br>\u201eEin wenig kennst du sie mittlerweile schon\u201c, sagte Tobias.<br>\u201eKommt darauf an, was man unter kennen versteht.\u201c<br>\u201eEs muss ja nicht immer alles mit Tiefgang sein\u201c, sagte Tobias. \u201eEs sind einfach nette Leute, das kann doch reichen.\u201c<br>\u201eMarkus kennst du schon ewig\u201c, warf Laura ein. \u201eDas kannst du nicht mit meinem Verh\u00e4ltnis zu den beiden vergleichen.\u201c<br>Sie gingen schweigend nebeneinander her. Die Runde um den See war zu Ende, und im stillen Einverst\u00e4ndnis begannen sie eine zweite Runde. Das Thema Sardinien erw\u00e4hnte keiner mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Treffen zu sechst gingen weiter. Diesmal war es eine kleine Wanderung durch eine Schlucht, mit anschlie\u00dfendem Einkehren in einen Gasthof. Sofia redete mit den anderen, nur nicht mit Laura, und auch Stefanie begegnete Laura zur\u00fcckhaltender, als irritierte sie etwas. Sofias Bemerkung \u00fcber die angeblich gestohlenen Worte \u00e4rgerte Laura immer noch. Die drei M\u00e4nner gingen etwas voraus, die Frauen folgten ihnen in leichtem Abstand, drei Personen, von denen zwei miteinander redeten und eine \u00fcberfl\u00fcssig war. Laura w\u00fcnschte sich Zweisamkeit mit Tobias. Sie fing an, schneller zu gehen, um ihn einzuholen. \u201eIch schaue mal nach Tobias\u201c, sagte sie den anderen zwei, und bald erreichte sie die drei M\u00e4nner. Sie hakte sich bei Tobias ein.<br>Dann fragte sie, ob die anderen das Spiel kannten, das Daniel beschrieben hatte.<br>\u201eIch habe davon geh\u00f6rt\u201c, sagte Markus.<br>\u201eKann man das beim Wandern spielen?\u201c, fragte Tobias.<br>\u201eNein\u201c, sagte Laura. \u201eMan braucht ein Spielbrett und Karten mit Begriffen.\u201c<br>\u201eHabt ihr das zuhause?\u201c, fragte Paul.<br>\u201eNoch nicht\u201c, sagte Laura.<br>Sie hatte fest vor, es bald zu kaufen. Es war eine M\u00f6glichkeit, alle am Geschehen eines Abends zu beteiligen. Jeder musste sich beim Spielen einbringen, und zwar im selben Ausma\u00df. Laura hoffte nur, dass Sofia \u2013 und vielleicht auch Stefanie \u2013 sich nicht zu fein daf\u00fcr waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bild mit den Gef\u00fchlen und den glattpolierten Leben hing jetzt in der K\u00fcche. Zwei V\u00f6gel und zwei menschliche Gestalten waren darauf zu sehen, die Farben waren haupts\u00e4chlich in Blau und Gr\u00fcn und ein wenig Rot gehalten.<br>Sofia und Paul kamen kurz vorbei, weil Paul Unterlagen von Tobias brauchte. Tobias ersuchte Laura, Kaffee zu machen. Sofia kam schlendernd vom Wohnzimmer in die K\u00fcche, blieb vor dem Bild stehen und starrte es an. Laura sah es, besch\u00e4ftigte sich aber weiter damit, alles f\u00fcr das Kaffeetrinken herzurichten, und k\u00fcmmerte sich nicht um Sofia, die immer noch den Blick auf das Bild geheftet hielt und dann wortlos hinausging.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laura\nfreute sich \u00fcber den neuen Brief von Daniel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe\nLaura, las sie,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">so ein Umzug macht jede Menge Arbeit. Wir sind in einen Neubau gezogen, was bedeutet, wir m\u00fcssen \u00fcberall selbst die Lampen montieren. Dann noch ein Badezimmerschr\u00e4nkchen, Spiegel und Ablage f\u00fcr die Zahnb\u00fcrsten, und das war nur das Bad. Die K\u00fcche ist daf\u00fcr komplett. Aber langsam sieht die Wohnung aus wie bewohnt und verl\u00e4sst ihr Baustellen-Aussehen.<br>Wie geht es dir? (Muss ich das fragen? Ich bin grunds\u00e4tzlich offen daf\u00fcr, wie es dir geht, und du wirst mir erz\u00e4hlen, was du erz\u00e4hlen willst. Die Frage \u201eWie geht es dir?\u201c wird damit zur Floskel und eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig. Aber manche Menschen st\u00f6rt es, wenn sie das nicht gefragt werden.)<br>Nina sagt, sie will dich kennenlernen, und dass ich dich einladen soll. Ich habe ihr gesagt, eins nach dem anderen. Das w\u00e4re ein Stress-Machen, jetzt, wo wir es mit dem Briefeschreiben so gem\u00fctlich haben.<br>Wei\u00dft du, ob f\u00fcr den Sommer wieder eine Malwoche geplant ist? Ich habe noch nichts geschickt bekommen.<br>Ich m\u00f6chte ja so gern einmal eine Weltreise machen, nur reicht da mein Urlaub nicht. Auf jeden Fall m\u00fcsste ich das vor einer eventuellen Familiengr\u00fcndung tun. Wenn ich meine Stelle behalte, m\u00fcsste ich die Reise aufteilen auf mehrere Arbeitsjahre. Einmal Nord- und S\u00fcdamerika, einmal Australien und Neuseeland, einmal China, Japan und was dort noch sehenswert ist.<br>Eine richtige Weltreise wird wohl nicht daraus. Wenn, dann wird es ein \u201eUnd wo seid ihr heuer hingefahren?\u201c In Nord- und S\u00fcdamerika kann man locker jeweils sechs Wochen verbringen.<br>Ich glaube, Nina m\u00f6chte lieber ein Kind, statt alle diese Reisen vorher zu machen. Im Moment unterscheiden wir uns in Bezug auf unsere W\u00fcnsche. Wir werden uns schon einig werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Gr\u00fc\u00dfe<br>Daniel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Woche sp\u00e4ter trafen sie Stefanie und Markus beim Spazierengehen und luden sie auf einen Kaffee zuhause ein. Laura machte den Kaffee in der K\u00fcche, w\u00e4hrend Stefanie dabeistand und auf das Bild wies.<br>\u201eDas ist wirklich ganz \u00e4hnlich zu dem, was der chilenische Dichter geschrieben hat. Sofia hat mir die Stelle gezeigt, die andere auch, die du f\u00fcr das andere Bild verwendet hast.\u201c<br>\u201eAber die S\u00e4tze sind beide von mir. Ich habe das Buch von Felipe nicht gelesen.\u201c<br>\u201eIst ja nicht schlimm, wenn man jemanden zitiert. Aber man sollte es kennzeichnen.\u201c<br>Laura seufzte und sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eDie S\u00e4tze sind von mir.\u201c<br>Stefanie schaute sie zweifelnd an und sagte nichts. Beim Kaffeetrinken bekam sie \u00c4hnlichkeit zu Sofia, indem sie mit den anderen redete und Laura links liegenlie\u00df.<br>Laura hatte keine Lust, schweigend dazusitzen. Sie steuerte ein paar S\u00e4tze bei, auch wenn sie beim Thema Firma kaum mitreden konnte. Aber Tobias beachtete ihre Kommentare und erwiderte etwas. Sie hatte das Gef\u00fchl, einer war noch auf ihrer Seite. Sie k\u00e4mpfte um diese Position, statt sich angesichts der Unterstellungen zur\u00fcckzuziehen und sich vom Gespr\u00e4ch ausklammern zu lassen.<br>Sie war erleichtert, dass Markus und Stefanie nicht allzu lange blieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hallo\nDaniel,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">danke f\u00fcr deinen Brief. Du musst mich nicht jedes Mal fragen, wie es mir geht. Das wird sonst wirklich zu einer Floskel und \u00fcberfl\u00fcssig.<br>Stefanie glaubt jetzt auch, ich h\u00e4tte beim chilenischen Dichter Felipe abgeschrieben, und das nicht nur bei einem, sondern bei beiden Bildern, die Text enthalten. Derselbe Vorwurf, der schon von Sofia gekommen ist. Ich solle die Zitate kennzeichnen. Es ist so \u00e4rgerlich, wenn einem etwas nicht geglaubt wird.<br>Ich habe jetzt das Spiel gekauft, mal schauen, ob es zum Einsatz kommt. Ich bem\u00fche mich um eine Verbesserung all dieser Treffen.<br>Hm, eine Weltreise ist ja schon etwas richtig Gro\u00dfes. Wenn ich du w\u00e4re (was ich nat\u00fcrlich nicht bin), w\u00fcrde ich mir einzelne L\u00e4nder heraussuchen, statt von Land zu Land zu fliegen. Und dort w\u00fcrde ich mir ein Mietauto nehmen.<br>Ich bin auch noch nicht so weit gereist, nur in ein paar europ\u00e4ische L\u00e4nder. Frankreich, Spanien, England, Italien, Griechenland, Irland. Teilweise war ich dort mit einer Schulfreundin, die jetzt in Australien ist, und mit Tobias. Das Wichtigste beim Reisen ist der Mensch, mit dem man reist. Heuer will Tobias nach Sardinien, aber er will Markus und Stefanie mitnehmen. Da sind wir uns noch uneinig.<br>Die V\u00f6gel, die ich male \u2013 um deine Frage zu beantworten \u2013 , sind bei Sara, die Sekret\u00e4rin in Tobias&#8216; Firma ist. Auf der Jubil\u00e4umsfeier sind wir ins Reden gekommen, sie erz\u00e4hlte von den V\u00f6geln, ich habe gefragt, ob ich sie malen darf. Beim letzten Mal ist sie mir irgendwie verstimmt oder traurig vorgekommen, aber wir sind ja nicht befreundet, und so wird sie mir auch nichts erz\u00e4hlen.<br>Ein neues Bild steht an, vielleicht passt das dann ins Wohnzimmer. Drau\u00dfen wird es langsam w\u00e4rmer, ich k\u00f6nnte hinausgehen zum Malen, auch wenn die Natur noch nicht voll erwacht ist und erst blinzelnd die Augen \u00f6ffnet.<br>Ich freue mich auf deinen n\u00e4chsten Brief.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Gr\u00fc\u00dfe<br>Laura<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sara hatte verquollene Augen, als sie Laura die T\u00fcr \u00f6ffnete, l\u00e4chelte sie aber freundlich an.<br>\u201eM\u00f6chtest du auch Tee?\u201c, fragte sie und verschwand in der K\u00fcche.<br>Laura merkte beim Skizzieren, dass sie ge\u00fcbter wurde und die V\u00f6gel besser gelangen als beim ersten Mal. Sie meinte auch wahrzunehmen, dass sie ihr gegen\u00fcber weniger Scheu hatten, auch wenn sie noch weit davon entfernt waren, eine Ber\u00fchrung zuzulassen.<br>Sara brachte den Tee und setzte sich an den Wohnzimmertisch. \u201eLass dich von mir nicht st\u00f6ren\u201c, sagte sie. Laura zeichnete noch ein bisschen, sofern einer der V\u00f6gel gen\u00fcgend stillhielt. Dann legte sie die Mappe auf den Couchtisch und setzte sich zu Sara.<br>\u201eGeht&#8217;s euch beiden gut?\u201c, fragte Sara und trank einen Schluck.<br>Laura sah sie erstaunt an und sagte dann: \u201eJa, schon. Auch wenn wir uns im Moment nicht einig sind \u00fcber ein paar Dinge. Seine Freunde sind oft dabei, wenn wir etwas unternehmen, ich f\u00fchle mich da immer im Abseits. Zum Beispiel will er ein befreundetes Paar in den Sommerurlaub mitnehmen, w\u00e4hrend ich lieber zu zweit mit ihm dort w\u00e4re. Er hat kein gro\u00dfes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wie ich mich bei den Treffen zu viert oder zu sechst f\u00fchle.\u201c<br>Sara schaute sie mit einem abwesenden Blick an. \u201eIhr werdet das schon regeln\u201c, sagte sie zerstreut.<br>\u201eUns geht es zur Zeit nicht so gut\u201c, sagte sie nach einer Pause. \u201eMein Freund will sich von mir trennen, das hei\u00dft, die Trennung steht im Raum, nur dass ich sie nicht will. Er sagt zwar, es gibt keine andere, aber ob das stimmt, wei\u00df ich nicht. Es hei\u00dft doch, M\u00e4nner trennen sich nur dann, wenn die N\u00e4chste schon bereitsteht.\u201c<br>\u201eEs muss nicht immer so sein\u201c, sagte Laura. Sara tat ihr leid, sie konnte die Traurigkeit im Raum f\u00f6rmlich sp\u00fcren. Sie w\u00fcnschte, sie h\u00e4tte ein paar S\u00e4tze des Trosts und der Aufmunterung. Stattdessen trank sie schluckweise vom Tee und a\u00df eins der Kekse, die Sara auf einem Teller mit auf das Tablett gestellt hatte. Sie wagte nicht, weiterzufragen, warum ihr Freund sich trennen wollte, sie bef\u00fcrchtete, die Traurigkeit w\u00fcrde sich im ganzen Raum ausbreiten und das Atmen schwermachen, und vielleicht w\u00fcrde sie selbst traurig werden, wenn es um Beziehungen ging.<br>Also trank sie ihren Tee, und sp\u00e4ter, w\u00e4hrend Sara in der K\u00fcche war, zeichnete sie noch zwei Skizzen von Zeus und Io.<br>\u201eSchlag du das Spiel vor\u201c, sagte Laura zu Tobias auf der Autofahrt. \u201eVon dir nehmen sie es eher an.\u201c<br>\u201eDas wei\u00df ich nicht, aber gut\u201c, sagte Tobias.<br>Beim Essen unterschied sich der Abend nicht sehr von den bisherigen Zusammenk\u00fcnften der drei Paare. Streckenweise redeten die M\u00e4nner wieder \u00fcber Dinge in der Firma, w\u00e4hrend die Frauen schwiegen. Sofia war diesmal Gastgeberin; sie erw\u00e4hnte, sie h\u00e4tten noch ein weiteres Paar eingeladen, das aber keine Zeit gehabt habe.<br>Nach dem Essen schaute Laura Tobias auffordernd an. Er streckte sich im Sessel und schien sich wohlzuf\u00fchlen. \u201eAch ja\u201c, sagte er, \u201ewir haben ein Spiel mitgenommen. Es ist noch im Auto.\u201c<br>Laura sprang auf. \u201eIch hole es.\u201c<br>Als sie zur\u00fcckkam, herrschte im Wohnzimmer gerade gro\u00dfes Gel\u00e4chter. Wie gut sie ohne mein Spiel auskommen und ihren Spa\u00df haben, dachte Laura. Mit einer gewissen Scheu dr\u00fcckte sie die T\u00fcr auf.<br>Die Regeln waren schnell erkl\u00e4rt. Sie teilten sich in zwei Gruppen auf: Stefanie, Markus und Sofia gegen Laura, Tobias und Paul. Beim Zeichnen eines Begriffs brauchte Sofia die ganze Zeit, und dann hatten ihre Teamkollegen erst die H\u00e4lfte des gesuchten Wortes gefunden. Das Umschreiben von Begriffen bereitete niemandem Probleme. Beim pantomimischen Darstellen wirkte Sofia widerwillig, und auch Stefanie legte sich nicht gerade ins Zeug, um den Begriff so gut wie m\u00f6glich darzustellen. Laura vermisste, dass gelacht wurde. Es ging augenscheinlich nur darum, das Spielen pflichtschuldig mitzumachen. Aber wenn andere keinen Spa\u00df daran hatten, dann hatte sie auch keinen. Sie f\u00fchlte sich, als w\u00fcrden die anderen nur ihr und Tobias zuliebe spielen, das aber nur dieses eine Mal, damit das Thema erledigt war \u2013 oder damit bewiesen war, dass ein Gesellschaftsabend kein Spiel brauchte.<br>Sie spielten nur die eine Runde, bis ein Team gewonnen hatte, dann sagte Markus: \u201eDas war jetzt aber genug gespielt.\u201c<br>Laura war sicher, dass sie in dieser Gesellschaft nie wieder dieses Spiel spielen w\u00fcrde. Sie w\u00fcrde Abend f\u00fcr Abend dasitzen und sich langweilen, sie w\u00fcrde sich wie eine Au\u00dfenseiterin f\u00fchlen, und es g\u00e4be kein Entrinnen. Die Aussicht lie\u00df sie f\u00fcr den restlichen Abend in sich gekehrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe\nLaura,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">endlich finde ich Zeit, dir zu schreiben. Wir waren mit dem Einrichten der Wohnung besch\u00e4ftigt, und Nina war einmal sehr beleidigt, weil ich gesagt habe, so uneinig wie wir bei dem Thema sind, brauchen wir kein Kinderzimmer und k\u00f6nnen das dritte Zimmer anders verwenden. \u201eBin ich mit jemandem zusammengezogen, mit dem ich kein Kind haben werde?\u201c fragte sie mich. \u201eAber jetzt, Nina\u201c, sagte ich, \u201epasst es dir ja auch nicht, wegen deiner Arbeit.\u201c<br>\u201eDoch!\u201c rief sie und weinte ein bisschen.<br>\u201eDu bist ja ganz durcheinander bei diesem Thema\u201c, sagte ich.<br>Daraufhin zog sie sich Schuhe und Mantel an, verlie\u00df die Wohnung und kam erst nach zwei Stunden wieder zur\u00fcck.<br>Ich habe ihr gesagt, dass wir ein Kind haben werden, aber ganz entspannt und ohne Druck. Mittlerweile freuen wir uns \u00fcber die neue, gr\u00f6\u00dfere Wohnung.<br>Laura, eigentlich k\u00f6nnten wir auch telefonieren, statt nur Briefe zu schreiben. Was h\u00e4ltst du davon? Mir passt es am Abend so ab acht, am Wochenende auch nachmittags, obwohl es da sein kann, dass Nina und ich gerade etwas unternehmen. Also ruf einfach an. Wenn es gerade nicht geht, sage ich das.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Gr\u00fc\u00dfe<br>Daniel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hallo\nDaniel,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">danke f\u00fcr deinen Brief. Ich hatte wieder mal \u00c4rger mit Sofia, ohne dass sie das gemerkt hat, sie glaubt sich ja im Recht.<br>Sie hat in der B\u00fccherei den Gedichtband von Felipe zur\u00fcckgegeben, nachdem sie ja behauptet hatte, ich h\u00e4tte daraus abgeschrieben. Sie hielt mir das Buch an der Ausleihe hin und sagte: \u201eDie Stellen, die du verwendet hast, muss ich dir wohl nicht extra zeigen.\u201c Dabei hatte sie einen sehr selbstgef\u00e4lligen Gesichtsausdruck und Tonfall.<br>Ich sagte noch einmal, dass ich das Buch nie gelesen h\u00e4tte. Zwei Gedanken sind sich eben \u00e4hnlich. Felipe hat geschrieben: Wenn du dich zeigst, wird etwas echt. Bei mir lautet es: Echt wird es nur, wenn du dich zeigst. Die andere Stelle beinhaltet die glatten Leben, bei mir sind es die glattpolierten Leben. Ich bin \u00fcberrascht von der \u00c4hnlichkeit, aber ich schreibe nicht ab.<br>Was kann ich tun, damit sie mir glaubt? Und damit Stefanie mir glaubt? Und so viele Treffen kommen noch auf mich zu. Seit Tobias in dieser Firma ist, bin ich zwar mehr in Gesellschaft, aber gleichzeitig nicht in der zu mir passenden Gesellschaft. Fr\u00fcher waren wir mehr f\u00fcr uns, allein zu zweit, was oft sehr sch\u00f6n war. Jetzt bin ich f\u00fcr die anderen seine Freundin, statt einfach Laura zu sein und als solche wahrgenommen zu werden. Ich habe auch nicht das Gef\u00fchl, mit Tobias dar\u00fcber reden zu k\u00f6nnen.<br>Ja, wir k\u00f6nnen gern telefonieren. Von Montag bis Mittwoch bin ich in der Arbeit, sonst kannst du mich immer anrufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Gr\u00fc\u00dfe<br>Laura<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-518","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte"],"views":2820,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/518","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=518"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/518\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":535,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/518\/revisions\/535"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=518"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=518"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.julia-andorfer.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=518"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}