Freunde, Teil neun


18

Es war ein Samstagabend, und Tobias und Laura gingen aus. Der Sommer war noch einmal richtig heiß geworden, und noch immer war die Luft warm, sodass man kurzärmelig gehen konnte. Die Altstadt war voll mit Nachtschwärmern, ihren Stimmen und ihrem Lachen. Tobias und Laura hielten sich an den Händen und schlenderten über das Pflaster. Heute schien alles gut zwischen ihnen.
Lauras Telefon läutete, als sie sich gerade an einen Tisch im Gastgarten gesetzt hatten. Es war Daniel.
„Nina ist krank“, sagte er. „Nichts Schlimmes. Ein bisschen Fieber und Schnupfen. Und ich wollte kurz an die frische Luft.“
„Tobias und ich sind gerade in einem Lokal“, sagte Laura.
„Schade. Ich hatte gehofft, dass du zuhause bist. Aber ich freue mich auch für dich, wenn ihr es schön habt.“
Laura spürte einen Widerstand dagegen, aufzulegen und seine Stimme nicht mehr zu hören. Einige Momente lang sagte keiner etwas. Vielleicht ging es Daniel genauso? Sie blieben also in dieser stillen Verbindung, jeder den anderen wahrnehmend. Tobias ließ einen schönen Gruß ausrichten, was Daniel erwiderte.
Dann sagte Laura, mit Bedauern in der Stimme: „Na gut, dann hören wir uns ein anderes Mal.“
Dann war er fort, allein auf seinem abendlichen Spaziergang.

Am nächsten Tag, Laura stand gerade in der Küche und blätterte in einem Kochbuch, läutete Tobias‘ Handy. Laura wandte den Kopf und sah, dass es Miriam war. Tobias war wohl gerade im Bad, vielleicht rasierte er sich und würde zurückrufen.
„Da war ein Anruf für dich“, sagte Laura, als er in die Küche kam. Tobias griff nach dem Handy und tippte auf eine Taste, um dann überrascht, aber auch freudig zu reagieren. Dann ging er ins Wohnzimmer, von wo Laura ihn undeutlich sprechen hörte. Sie bemühte sich, einzelne Sätze zu verstehen, was nur spärlich gelang. Sie wollte wissen, was diese Miriam von ihm wollte.
Dann stand Tobias in der Tür.
„Ich treffe mich heute mit Miriam, möchtest du mitgehen?“
Laura verneinte.
Dann sagte sie: „Ich kann dir doch vertrauen, oder?“
„Das weißt nur du“, sagte Tobias.
Er kam näher.
„Natürlich kannst du mir vertrauen. Sie ist neu in der Stadt und kennt nicht viele Leute. Ich habe ihr gesagt, dass sie mich anrufen kann.“
Nach einer Pause fügte er hinzu: „Das ist wie mit dir und Daniel.“
„Nur dass Daniel weit weg ist“, sagte Laura.
Am Nachmittag fühlte Laura sich allein und rief Daniel an. Nina kurierte immer noch ihren grippalen Infekt aus, und Daniel ging ins Wohnzimmer, um in aller Ruhe mit Laura telefonieren zu können. Sie erzählte ihm von Miriams Anruf und ihrem Mangel an Vertrauen.
„Aus der Distanz und so, wie ich Tobias erlebt habe“, sagte er, „glaube ich, dass du ihm vertrauen kannst. Man trifft immer wieder neue Menschen, so ist das eben.“
„Ich musste zehn Leute anschreiben, um einen neuen Menschen zu treffen“, sagte Laura. „Warum wohnst du nicht in der Nähe.“
„Jetzt wird es langsam Zeit, dass du mich besuchen kommst“, sagte Daniel. „Du kannst allerdings nicht bei uns schlafen. Aber ich würde mir Zeit nehmen für dich. Und ich möchte dir etwas zeigen.“
„Das Bild deines Lebens!“, sagte Laura wie aus der Pistole geschossen. „Ist es fertig?“
„Im Großen und Ganzen ja.“

Laura wählte ein Wochenende und ein Hotel aus, in der Nähe von Daniels Wohnung. Sie freute sich über die Abwechslung und über die gut gefüllten Tage, verspürte sie doch in ihrem Alltag eine gewisse Leere. Sie küsste Tobias zum Abschied und saß endlich im Zug.
Das Hotel war leicht zu finden. Von ihrem Zimmer aus rief sie Daniel an. Der schlug den Besuch einer Ausstellung vor.
In der großen Stadt gab es so viel zu sehen und zu tun, dass Laura zwei Wochen hätte bleiben können. Das Wichtigste jedoch war, dass sie mit Daniel zusammensein konnte. „Nina geht es schon wieder besser“, sagte er. „Sie war heute Mittag schon draußen.“
Laura erzählte ihm, dass sie sich bei der Universitätsbibliothek beworben hatte, leider ohne Erfolg. Als nächstes seien die Buchhandlungen an der Reihe.
„Oder Bilder verkaufen“, sagte Daniel.
„Es gibt da ein kleines Café, in dem ich vielleicht ausstellen könnte“, sagte Laura. „Ich habe noch nicht gefragt, aber meine Bilder würden gut hinpassen.“
„Dann frag“, sagte Daniel.
„Aber eine Ablehnung wäre so enttäuschend. Vielleicht habe ich deshalb noch nicht gefragt.“
„Dann gibt es irgendeine andere Möglichkeit.“
Daniel hatte leicht reden. Er hatte einen Beruf, in dem er sich voll einbringen konnte. Er machte das, was ihm entsprach.
Wenn Malen für Laura das Richtige war, würde sie immer weitere Motive finden? Wo würde sie über die Jahre die Inspiration herbekommen?

Die Expressionisten-Ausstellung war großartig, kräftige Farben, bunte Gesichter. Laura hätte im Anblick mancher Bilder versinken können. Gleichzeitig führten diese Bilder ihr vor Augen, dass sie keine Gabriele Münter war und vielleicht nie sein würde. Lohnte es sich, weiterzumachen, wenn ihre Arbeiten am Ende nur mittelmäßig waren?
„Vielleicht bist du nicht mittelmäßig“, sagte Daniel später. „Ich glaube, wenn du eine Malerin bist, kannst du nicht anders, als immer wieder etwas anzufangen.“
„Ich bin unzufrieden, wenn ich nicht male“, sagte Laura. „In den Pausen zwischen den Bildern, die es zur Zeit gibt, bin ich unzufrieden.“

Sie stiegen in die U-Bahn, um zu Daniels Wohnung zu fahren, denn dort wartete das Bild, das er gemalt hatte. Nina war nicht da, sie war einkaufen. Daniel führte Laura ins Schlafzimmer (auch er malte in diesem Zimmer) zur Staffelei. Da war es, das „Bild seines Lebens“. Einige Personen waren darauf zu sehen, auch er selbst, wie unschwer zu erkennen war. Er stand in der Mitte. Auf gleicher Höhe mit sich selbst hatte er Nina gemalt. Seine Eltern befanden sich im linken Bildhintergrund. Das k
onnte man als Vergangenheit interpretieren, aber auch als räumliche oder emotionale Distanz. Rechts von Daniel, auf gleicher Höhe, nur etwas weiter weg, erkannte Laura sich selbst.
„Bin das ich?“, fragte sie.
Daniel nickte.
„Danke“, sagte sie.
„Wofür?“, fragte Daniel.
„Dass ich ein Teil deines Lebens bin.“Daniel sah Laura an und lächelte.
„Das bist du.“
Eine Weile sagte niemand etwas. Laura schaute das Bild an. Es waren auch Gegenstände darauf. Laura entdeckte Daniel als Jungen mit einem Fußball unter dem Arm. In einer Ecke des Bildes saß Daniel mit einem Kind lernend an einem Tisch. Man konnte mit den Augen auf dem Bild herumwandern, sich Gedanken machen und immer wieder ein Detail finden und verstehen. Neben dem Jungen mit dem Fußball gab es eine kleine Gruppe Kinder, es mussten wohl Freunde aus der Kindheit sein. Dann in einer Kette aneinandergereiht: die Freiheitsstatue, der Eiffelturm, der Big Ben, wenn Laura ihn richtig erkannt hatte.
Reisen, oh ja, das war auch Laura wichtig. Mit der Freiheitsstatue hätte sie auf einem eigenen Bild nicht dienen können, mit London und Paris aber schon.
„Es ist alles sehr schön gemalt“, sagte sie. „Du bist wirklich talentiert.“
Daniel machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Ach, das ist nur Freizeitvergnügen. Nicht ernsthaft wie bei dir.“
Laura hörte, wie die Wohnungstür aufgesperrt wurde. Ein paar Momente später betrat Nina das Zimmer und schüttelte Laura die Hand.
„Unser Besuch ist da“, sagte sie lächelnd. „Wir könnten doch morgen eine kleine Wanderung machen.“
Laura konnte darauf schlecht erwidern, dass sie lieber mit Daniel allein etwas machen würde. Nina wollte ganz offensichtlich dabei sein; ob aus purer Unternehmungslust oder aus dem Grund, dass sie ein Auge auf Daniel haben wollte, ließ sich nicht feststellen.
Schon zum Abendessen gingen sie zu dritt, in ein chinesisches Restaurant. Nina war Laura sympathisch, aber der Eindruck blieb, dass sie deshalb freundlich zu ihr war, weil sie die Freundschaft zwischen Laura und Daniel nicht zu eng haben wollte.
Später im Hotel rief Laura Tobias an, aber er hob nicht ab. Es war ein Samstagabend, er war bestimmt unterwegs, mit Markus vielleicht. Hoffentlich nicht mit Miriam, dachte Laura. Sie empfand einen Unterschied zwischen dieser Verbindung und ihrer Verbindung mit Daniel. Letztere war reine Freundschaft, weil da keine körperliche Anziehung war. Und was noch wesentlich war: Miriam hatte keinen Freund.
Sie wollte Daniel anrufen, aber es war schon spät, und sie wollte nicht mehr stören.

Am nächsten Tag vereinbarten sie einen Zeitpunkt in einem Lokal, wo sie zu Mittag aßen. Danach fuhren sie mit dem Auto hinaus aus der Stadt, zu einem Wanderweg quer durch den Wald. Man konnte dort eine Runde gehen, etwa zwei Stunden lang. Es hatte am Vormittag leicht geregnet, aber jetzt meinte das Wetter es gut mit ihnen. Es gab auch ein Gasthaus auf der Strecke, wo sie einkehrten, um etwas zu trinken.
Auf dem weiteren Weg, es ging gerade bergab über Steine, knickte Ninas Fuß um und ließ sie hinfallen. Der Fuß tat ihr weh, und sie konnte nicht auftreten. „Es ist nicht mehr weit bis zum Parkplatz“, sagte Daniel. „Ich trage dich bis dorthin, dann fahren wir ins Krankenhaus.“ Laura nahm Daniels Rucksack, und er nahm Nina huckepack auf den Rücken.
Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass es eine Verstauchung war. Nina ärgerte sich über ihr Missgeschick, weil sie jetzt nur auf Krücken herumhumpeln konnte. Sie saß zuhause auf der Couch, die Beine ausgestreckt, und wurde von Daniel und Laura versorgt mit allem, was sie brauchte.
Daniel machte ein Abendessen, und Laura war in der Küche endlich allein mit ihm. Sie hatten davon gesprochen, ins Kino zu gehen, aber Laura wagte kaum, es anzusprechen.
„Ich nehme an“, sagte sie, „du willst heute nicht mehr ins Kino.“
„Ich will sie nicht alleinlassen“, sagte Daniel.
„Sie kommt doch zurecht. Es ist ja nicht so, dass sie nicht gehen kann.“
Laura wollte auf einmal kämpfen um den Abend mit ihm, sie wollte nicht akzeptieren, dass sie keine Zeit mehr mit ihm allein verbringen würde wie am Vortag in der Ausstellung.
„Nein, Laura, das geht nicht“, sagte er bestimmt.
„Schade.“
Er widmete sich schweigend wieder dem Kochen. Laura wollte mehr von ihm, mehr Zeit, mehr Freundschaft, und jetzt war sie bei ihm und musste ihn teilen.
Daniel musste am nächsten Tag wieder in die Arbeit, und sie verabschiedeten sich, als Laura nach dem Abendessen ging. Sie frühstückte im Hotel und saß wieder im Zug, von wo aus sie Tobias anrief.
„Wie war’s?“ fragte er.
„Ganz schön. Wie war dein Wochenende?“
„Gut. Ich bin am Samstag mit Markus, Stefanie und Miriam ausgegangen.“
Laura fragte sich, warum sie sich bei dem Gedanken ausgeschlossen fühlte. Eine Weile sagte niemand etwas. Dann sagte Tobias, schön, wenn du wieder da bist.
Nach dem Telefonat packte sie den Notizblock aus, in dem sie zeichnete oder ihre Gedanken aufschrieb. Der Großteil der Fahrt lag noch vor ihr, da konnte sie die Zeit nutzen für das Sammeln neuer Ideen. Meine Freundschaft mit Daniel, schrieb sie. Noch nie hatte ich eine solche Freundschaft. Die Zeit ist immer zu knapp. Andere Hände umfassen ihn, strecken sich nach ihm, meine greifen zu kurz. Male ich ihm einen Heiligenschein? Ich kann keine gravierenden Fehler entdecken. Liegt das daran, dass wir wenig Zeit miteinander verbringen?

In den darauffolgenden Wochen versuchte Laura Motive zum Malen zu finden. Einmal fuhr sie an einen See, woraus zwei Bilder entstanden, aber dann fehlten ihr die Ideen für Neues. Sie bewarb sich ohne Ergebnis bei zwei Buchhandlungen in der Stadt. Die freie Zeit füllte sie mit Lesen und Spaziergängen. Es war, als wüchse eine Leere in ihr, eine Lethargie, die auch Tobias oder Daniel nicht wegwischen konnten.
Ob sie schon in dem Café angefragt habe wegen der Ausstellung ihrer Bilder, fragte Daniel am Telefon. Nein, sagte Laura.
„Und malst du?“, fragte er.
„Im Moment nicht.“
Er seufzte.
„Ist dir nicht leid um die verpasste Gelegenheit?“
„Du meinst das Café? – Das läuft mir ja nicht davon.“
„Vielleicht doch.“
„Ich mache das in meinem eigenen Tempo.“
Jetzt wurde Daniel ärgerlich.
„Das ist nur die Angst vor der Ablehnung, weiter nichts. Wenn du die nicht überwindest, kann ich dir auch nicht helfen.“
„Warum wirst du denn so schnippisch?“
„Weil du begabt bist, aber zu feig, deine Werke dem Urteil anderer auszusetzen.“
„Ich bin überhaupt nicht feig. Ich weiß nur nicht, ob das mit dem Café einen Sinn hat.“
„Das kannst du nur wissen, indem du es tust.“
Laura war irritiert über seinen ungehaltenen Tonfall. Er schien sich tatsächlich über sie zu ärgern. Wo war der immer verständnisvolle Daniel, den sie so mochte?
„Ich habe Dinge zu erledigen“, sagte er, und damit war das Gespräch beendet.

Daniel meldete sich zwei Wochen lang nicht bei ihr, und sie wagte nicht, ihn anzurufen, solange sie bei dem Café nicht angefragt hatte. Stattdessen begann sie ein neues Bild, ein Stillleben mit Topfpflanze und Teetasse.
Tobias kam spät nachhause. Auf ihre Frage hin antwortete er nur, es gebe viel Arbeit im Büro. An einem Samstag läutete sein Handy, während er unter der Dusche war. Es war Miriam. Laura nahm den Anruf entgegen und sagte der anderen, Tobias werde sie zurückrufen. Miriam wirkte auf sie verschreckt, aber vielleicht kam ihr das nur so vor. Sie kannte sie ja nicht. Jetzt wäre es ihr komisch vorgekommen, zu einem Paartreffen wieder mitzukommen, jetzt, wo es Miriam gab. Sie stellte es sich vor, und es kam ihr so vor, als wäre sie das fünfte Rad am Wagen, nicht Miriam. Aber es so laufen lassen? Sie wollte lieber eine Lücke sein, sie wollte vermisst werden. Miriam schloss diese Lücke, und so fehlte sie niemandem, womöglich nicht einmal Tobias.
Dafür fehlte ihr Daniel. Auf einmal fühlte sie sich allein. Knapp zwei Wochen nach dem letzten Telefonat betrat sie das Café und lud den Besitzer ein, sich ihre Bilder anzuschauen. Er kam am Abend vorbei und sah sechs Werke, das siebte war noch in Arbeit. „Einverstanden“, sagte er. An den darauffolgenden Tagen war Laura damit beschäftigt, geeignete Bilderrahmen auszusuchen und das siebte Bild zu vollenden. Schließlich trug sie alles ins Café, wo sie und der Besitzer jedes Bild an einen geeigneten Platz hängten. Ihre Werke, so dachte sie, waren hier besser aufgehoben als zuhause an die Wand gelehnt.

19

„Bist du bald fertig?“, fragte Tobias vor der Badezimmertür.
Laura hatte sich schon lang nicht mehr zurechtgemacht. Aber heute ging sie aus, und sie hatte Lust bekommen, sich ein wenig zu schminken. Die Haare ließ sie offen und bürstete sie als Letztes.
Tobias verschwand seinerseits im Bad, während Laura sich die Schuhe anzog. Auf das Parfum hatte sie vergessen; sie hüllte sich in einen Sprühnebel, bevor sie den Mantel anzog.
Dann verließen sie das Haus. Vier Leute erwarteten sie: Markus, Stefanie und die beiden Singles Miriam und Paul. Seit Sofia sich von Paul getrennt hatte, verzichtete sie auf ein Dabeisein bei größeren Einladungen und begnügte sich damit, mit Stefanie befreundet zu bleiben. Laura wollte es unter diesen geänderten Umständen noch einmal versuchen. Sofia, die sie so kühl behandelt hatte, fehlte, die Zusammensetzung wirkte harmonisch, und vielleicht war sogar Platz für das Spiel mit der Pantomime.
Miriam öffnete die Tür. Laura sah sie zum ersten Mal und war überrascht von ihrem hübschen Äußeren; sie hatte sie sich, wohl zur eigenen Beschwichtigung, nicht übermäßig attraktiv vorgestellt. Dann kamen die üblichen Aperitifs, und Laura ließ das halbe Glas stehen, weil sie Alkohol auf leeren Magen noch nie gemocht hatte. Stefanie hatte wie üblich aufgekocht, und Laura musste vor sich zugeben, dass es wirklich gut schmeckte, von der Vorspeise bis zum Dessert.
Paul war schweigsam und lachte kaum, was nicht verwunderlich war. Sie waren sieben Jahre zusammen gewesen, und laut seiner Aussage war es „hoffnungslos aus“.
„Laura, ich habe gehört, du stellst deine Bilder aus“, sagte Stefanie. „Da muss ich ja mal in dieses Café schauen.“
„Wir können auch gemeinsam hingehen“, sagte Laura.
Später im Auto fragte Tobias, wie ihr der Abend gefallen habe.
„Gar nicht so übel“, sagte Laura.
„Gar nicht so übel!“, erwiderte Tobias amüsiert, indem er die Worte ein wenig in die Länge zog.
Laura musste lachen.
„Sofia war nicht da, das Essen war gut, und Spielen macht mir sowieso immer Spaß.“
Tobias wirkte erleichtert. Man konnte ihm ansehen, dass Lauras Fernbleiben ihn unzufrieden gestimmt, wenn nicht sogar bedrückt hatte.
Sie waren beide noch nicht müde. Statt sich vor den Fernseher zu setzen, begannen sie sich zu küssen und zu umarmen; es war lange her, dass Laura dabei eine solche Lebensfreude empfunden hatte, und sie merkte Tobias an, dass es ihm genauso ging.

Sie traf Stefanie im Café und ging mit ihr von Bild zu Bild. Die Worte auf zwei Bildern wurden nicht mehr kommentiert; vielleicht glaubte Stefanie ihr endlich, dass sie von ihr waren. Ein älterer Mann, der an der Bar saß, sah ihnen neugierig zu. Es war früher Nachmittag, außer ihnen und dem Kellner waren noch keine Leute da. Als sie an dem älteren Mann vorbeigingen, sagte der zu Laura: „Sie sind die Künstlerin, oder? Am besten gefällt mir das mit den zwei Vögeln.“ Er deutete hin.
„Man kann die Bilder auch kaufen“, sagte Laura. Es war jetzt schon eine gute Idee gewesen, die Bilder hier auszustellen.

Das letzte Telefonat mit Daniel war nun vier Wochen her. Hingen ihre Bilder nicht im Café, hätte Laura sich nicht getraut, ihn anzurufen. So aber hatte sie eine gute Neuigkeit, eine, die ihm gefallen würde. Tatsächlich freute er sich, und Laura war glücklich, dass die schlechte Stimmung zwischen ihnen verflogen war.
„Bin ich froh“, sagte sie. „Ich habe mir schon ausgemalt, dass der Kontakt zwischen uns verlorengeht.“
„Wegen einer Unstimmigkeit passiert das nicht, Laura.“
Laura sagte einen Moment nichts.
„Du bist mein bester Freund, Daniel.“
Er sagte nichts. Aber Laura meinte, ihn lächeln zu sehen.

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